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Robin Wood:
 
LANDRAUB IN BRASILIEN FÜR TASCHENTÜCHER
Landraub in Brasilien für Taschentücher
 
Für Tempo-Taschentücher, Charmin- und Hakle-Klopapier werden in Brasilien Menschen vertrieben und die Umwelt zerstört: Für die Herstellung dieser Marken kaufen die Produzenten Procter&Gamble und Kimberly-Clark Eukalyptuszellstoff von Aracruz-Celulose in Brasilien. Aracruz-Celulose nimmt den Menschen in Brasilien das Land und zerstört ihren Lebensraum.
 
In folgenden Presserklärungen von Robin Wood zum Thema:
- Brutaler Polizeieinsatz gegen Tupinikim und Guarani (01.02.06)
- Landraub in Brasilien für Taschentücher (04.05.06)
- Robin Wood fordert Tempo-Taschentücher aus Altpapier (05.09.06)
- Brasilianischer Justizminister entscheidet: Zellstoffgigant Aracruz muss Land an Indianer zurückgeben (30.08.07)
 
- Ausführliche Infos unter: Robin Wood: Tempo / Brasilien
 
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Peter Gerhardt (ROBIN WOOD-Tropenwaldreferent):
 
Brutaler Polizeieinsatz gegen Tupinikim und Guarani

Brutaler Polizeieinsatz gegen Tupinikim und Guarani Aracruz-Celulose – das auch Zellstoff an das Werk für Tempotaschentücher in Neuss liefert - gibt blutige Räumung in Auftrag
 
Am 20. Januar dieses Jahres stürmten und zerstörten 120 Bundespolizisten die Indianerdörfer Corrego do Ouro und Olho de Agua in dem brasilianischem Bundesstaat Espirito Santo. Es wurden dabei Gummigeschosse auf Menschen abgefeuert, etliche Indianer sind verletzt worden, einige von ihnen so schwer, dass sie ins Krankenhaus mussten. Indianer, die flüchten konnten, wurden anschließend mit Hubschraubern regelrecht gejagt. Sämtliche Unterkünfte und Häuser der Dorfbewohner wurden mit schweren Maschinen – die von Aracruz-Celulose, dem Zellstoffkonzern, zur Verfügung gestellt worden waren - dem Erdboden gleich gemacht und anschließend angezündet. Die Aktion der Bundespolizei war illegal, was auch ein noch am gleichen Tag herbeigeführter Gerichtsbeschluss bestätigt – da waren die Dörfer aber schon zerstört. Mit der Polizeiaktion soll der Widerstand der Indianer gegen Aracruz-Celulose gebrochen werden. Sie wehren sich dagegen, dass Aracruz ihnen 11.000 Hektar Land weggenommen hat. Aracruz hatte die Indianer während der brasilianischen Militärdiktatur von diesem Territorium vertrieben, um dort in Monokultur Eukalyptus-Plantagen anzulegen.
 
Kurzer Hintergrund:
 
Im aktuellen Konflikt geht es um 11.000 Hektar Land, das derzeit vom größten Zellstoffkonzern des Landes, Aracruz Celulose, besetzt gehalten wird. Rechtmäßiger Besitzer dieses Landes sind nach Studien der staatlichen Indianerbehörde FUNAI die dort beheimateten 1600 Tupinikim und 200 Guarani. Bisher verweigert der Zellstoffkonzern, der insgesamt über Plantagenflächen im Umfang von ca. 250.000 Hektar verfügt, rigoros die Rückgabe der mit Eukalyptus bepflanzten Ländereien an die Indianer. Die Indigenen hielten seit Mai 2005 die 11 000 Hektar besetzt und hatten auf dem Gebiet zwei Dörfer neu errichtet, die vor der Landnahme von Aracruz dort existiert hatten. Diese sind jetzt zerstört worden.
 
Procter&Gamble und Kimberly-Clark tragen Mitverantwortung
 
Aracruz verkauft 45% seiner gesamten Zellstoff-Produktion an zwei multinationale Konzerne: Procter&Gamble (Tempo, Charmin...) und Kimberly-Clark (Kleenex, Hakle). Eukalyptuszellstoff wird bevorzugt in Hygienepapieren eingesetzt, da er diese flauschig macht. Die Konzerne nehmen das von Aracruz verursachte Desaster bislang stillschweigend in Kauf, obwohl diese schon im Mai 2005 von ROBIN WOOD darauf hingewiesen wurden. Erste Gespräche zwischen Procter&Gamble, einem Vertreter des Green Desert Movement aus Brasilien und ROBIN WOOD fanden am 26. 1. 2006 in Frankfurt statt und haben zu keiner Annäherung der Standpunkte geführt. Procter&Gamble erklärte sich lediglich bereit, die Vorfälle bei seinem Lieferanten zu prüfen und dabei auch unabhängige Quellen mit einzubeziehen (wie z.B. brasilianische Behörden), anstatt wie bisher nur auf Informationen zu vertrauen, die von Aracruz geliefert wurden.
 
Das fordert ROBIN WOOD
 
Die Kunden von Aracruz - Procter&Gamble und Kimberly-Clark – tragen eine hohe Mitverantwortung. Sie müssen dafür sorgen, dass Aracruz sich zu seiner Verantwortung bekennt. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre die komplette Rückgabe der Gebiete an die Tupinikim und Guarani, die von den brasilianischen Regierungsbehörden als indigenes Territorium identifiziert worden sind. Sollte Aracruz nicht dazu bereit sein, dann müssen Procter&Gamble und Kimberly-Clark ihre Geschäftsbeziehungen zu Aracruz sofort beenden.
 
1. Februar 2006

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Gemeinsame Presseerklärung von ROBIN WOOD und den Tupinikim und Guarani - 4. Mai 2006
 
Landraub in Brasilien für Taschentücher

Brasilianische Indianer und ROBIN WOOD-AktivistInnen protestieren vor dem Tempo-Werk in Neuss
 
ROBIN WOOD-AktivistInnen blockieren zurzeit die Zufahrten zum Tempowerk von Procter&Gamble in Neuss. Sie haben drei Dreibeine aus Gerüststangen aufgestellt, in denen AktivistInnen auf fünf Meter Höhe hängen. Dazwischen spannten sie ein Transparent mit der Aufschrift: "Wir haben die Nase voll! Stoppt Landraub und Umweltzerstö rung für Tempo". Vor Ort sind auch ein Tupinikim- und ein Guarani-Indianer aus Brasilien. Sie protestieren dagegen, dass der Zellstoff kon zern Aracruz ihnen 11.000 Hektar Land im Bundes staat Espirito Santo weggenommen hat, um dort Eukalyptus-Monokulturen anzulegen. Nach Re cherchen von ROBIN WOOD landet der Ara cruz-Zellstoff in Form von Tempo-Taschentüchern so wie als Charmin- und bess-Klopapier auch auf dem deutschen Markt. Hersteller dieser Produkte ist der multinationale Konzern Procter&Gam ble (P&G). Eine Delegation der Tupinikim und Guarani sowie ROBIN WOOD überreichte P&G heute eine Erklärung, in der sie den Konzern auffordern, die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten Aracruz auf Eis zu legen, solange der Konzern diesen und alle weiteren Landkonflikte mit India nern, Landlosen und Quilombolas (Afrobrasilianern) nicht im Einvernehmen mit den Betroffenen gelöst hat.
 
Aracruz, der weltweit größte Produzent von gebleichtem Zellstoff, hat in Brasilien großflächig Küsten regenwald (Mata Atlantica) gerodet, um dort Eukalyptus-Monokulturen anzulegen. Nach eigenen An gaben besitzt der Konzern inzwischen 247.000 Hektar Eukalyptus-Plantagen. Während der brasilia nischen Militärdiktatur hatte der Konzern die Ureinwohner von ihrem angestammten Land vertrieben, um seine Plantagen auszuweiten.
 
Bis heute weigert sich Aracruz mit Gewalt und juristischen Tricks, den Tupinikim und Guarani 11.000 Hektar ihres Landes in Espirito Santo zurückzugeben. Die Indianerbehörde FUNAI hat inzwischen be stätigt, dass den Indianern das Land rechtmäßig zusteht. Im Januar des Jahres eskalierte der Konflikt. Bewaffnete Einheiten stürmten in Kooperation mit Aracruz die Indianerdörfer Corrego do Ouro und Alho de Agua, feuerten mit Gummigeschossen und jagten die Flüchtenden mit Hubschraubern.
 
"Die Menschen in Deutschland sollen erfahren, dass wir Tupinikim und Guarani für die Rohstoffe von Tempo brutal vertrieben werden", sagt Tupinikim Paulo Henrique Vicente de Olivira, Koordinator von Brasiliens zweitgrößter Indigenen-Organisation APOINME, dem bei dem Überfall im Januar ein Arm gebrochen wurde. "Procter&Gamble ist mitschuldig daran, dass uns Aracruz das Land genommen, unsere Wälder dem Erboden gleich gemacht und unsere Flüsse mit Chemikalien vergiftet hat", sagt Wera Kwaray, Häuptling des Guarani-Dorfes Boa Esperanza. "Aracruz zerstört unsere Kultur."
 
Der Landrechtsstreit mit den Tupinikim und Guarani ist nicht der einzige im Skandalunternehmen Ara cruz. Letzte Woche besetzten 200 landlose Familien rund 8.700 Hektar Land von Aracruz in der Nähe der Zellstoff-Fabrik von Aracruz in Espirito Santo. Sie beschuldigen den Konzern, sich öffentliches Land - so genannte "devolutas" - illegal unter den Nagel gerissen zu haben. Auch die Quilombolas fordern Zehntausende Hektar Land von Aracruz zurück.
 
Obwohl ROBIN WOOD Procter&Gamble über den Landraub und Umweltsünden von Aracruz ausführlich informiert hat, weigert sich der Konzern, seine Geschäftsbeziehungen zu Aracruz auf Eis zu legen. Nicht einmal zu Gesprächen mit Vertretern der Indianer war der Konzern bislang bereit. Auch sonst wird Procter&Gamble seiner ökologischen Verantwortung nicht gerecht. So hat P&G - im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten - für den privaten Konsum nicht einmal Recyclingpapier-Produkte im Angebot.
 
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Robin Wood – Presserklärung - Neuss, 5. September 2006
 
ROBIN WOOD fordert Tempo-Taschentücher aus Altpapier

Procter&Gamble braucht Nachhilfe beim Rohstoffeinkauf
 
AktivistInnen der Umweltschutzorganisation ROBIN WOOD haben heute Mittag rund drei Tonnen Altpapier vor das Haupttor des Tempo-Werks in Neuss gekippt. Daneben spannten Kletterer zwischen zwei Bäumen ein Transparent mit der Aufschrift: "Starke Lösung gegen herzloses Handeln: Recycling! Statt Landraub und Umweltzerstörung durch P&G". Die Aktion richtet sich gegen den US-Konzern Procter&Gamble, der für seine Hygienepapiermarken Tempo, Charmin und Bess Zellstoff bei Aracruz-Cellulose in Brasillien einkauft. Der Zellstoffgigant Aracruz hat in Brasilien großflächig Regenwald für Eukalyptus-Monokulturen kahl geschlagen und Indianer mit Gewalt von ihrem Land vertrieben. Als umweltfreundliche Alternative zu Frischfaser-Zellstoff, für den Bäume gefällt werden, empfehlen die UmweltschützerInnen den Einsatz von Altpapier bei der Produktion von Taschentüchern und Klopapier.
 
Aracruz hatte bereits während der brasilianischen Militärdiktatur in den 70er Jahren den an der Atlantikküste lebenden Tupinikim- und Guarani-Indianern Land geraubt und verweigert bis heute die Rückgabe - gegen den entschiedenen Widerstand der Indianer. Eigentlich hätte noch im August dieses Jahres die brasilianische Regierung endlich die Rückgabe eines rund 11.000 Hektar großen Gebietes besiegeln sollen, das laut Studien der Indianerbehörde FUNAI eindeutig indigenes Territorium ist. Doch Aracruz hat Widerspruch dagegen eingelegt. Die Indianer fürchten zu Recht, dass sie weiter auf Jahre vertröstet werden sollen und so zum Spielball der Interessen der Papierindustrie werden. Daher haben sie sich mit einem offenen Brief an die brasilianische Regierung gewandt. "Wir werden unter keinen Umständen weitere Verzögerungen und illegale Verstöße gegen unsere Rechte dulden", heißt es unter anderem in dem Schreiben. "Keine weitere Demütigung!"
 
Außerdem versuchen die Indianer gemeinsam mit ROBIN WOOD die Großabnehmer von Aracruz-Zellstoff in Deutschland unter Druck zu setzen. Repräsentanten der Tupinikim und Guarani waren zu diesem Zweck im Frühjahr dieses Jahres nach Europa gekommen. Gemeinsam mit ROBIN WOOD-AktivistInnen hatten sie am 4. Mai die Einfahrten zum Tempo-Werk in Neuss solange blockiert, bis Procter&Gamble (P&G) zu einem Gespräch mit ihnen bereit war. Daraufhin war es zu einem Treffen der Indianer und ROBIN WOOD mit dem P&G-Vizepräsidenten James Lafferty in Wien gekommen. Dabei hatte P&G zwar erstmals eingeräumt, eine Mitverantwortung in dem Konflikt zu haben, sich jedoch geweigert, seine Geschäftsbeziehungen mit Aracruz bis zur Lösung der Landrechtsstreitigkeiten auf Eis zu legen.
Für Hygienepapierproduzenten wie P&G gibt es eine umweltfreundliche Alternative zu Zellstoff aus Frischfasern: den Einsatz von Altpapier! Tatsächlich aber ist P&G der einzige der großen Hygienepapierhersteller am deutschen Markt, der überhaupt keine Produkte aus Recyclingpapier für den Einzelhandel produziert. ROBIN WOOD empfiehlt Papierprodukte mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel", denn die haben hervorragende Produkteigenschaften und sind aus 100 Prozent Altpapier.
 
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Robin Wood – Presserklärung - Hamburg, 30. August 2007

Brasilianischer Justizminister entscheidet:
Zellstoffgigant Aracruz muss Land an Indianer zurückgeben
 
Die Tupinikim- und Guarani-Indianer in Brasilien haben im Streit um ihr Land einen großen Erfolg errungen. Der brasilianische Justizminister Tarso Genro entschied in dieser Woche, dass der Zellstoff-Konzern Aracruz 11.009 Hektar Land an sie zurückgeben muss. ROBIN WOOD sieht in der Entscheidung des Justizministers einen Sieg der Gerechtigkeit über die einflussreiche Zellstoff-Lobby und eine wichtige Ermutigung auch für andere Indigene, Landlose und Quilombolas in Brasilien, die um ihre Landrechte streiten.
 
Aracruz hatte die Indianer in den siebziger Jahren von ihrem Land vertrieben, um dort riesige Eukalyptus-Monokulturen für die Zellstoffproduktion anzulegen. Mit der Unterschrift des brasilianischen Justizministers unter die Dekrete 1463 und 1464 ist die wichtigste Hürde im Kampf um die Landrückgabe für die Indianer genommen. Abgeschlossen ist sie damit allerdings noch nicht; die Entscheidung muss noch von Präsident Lula bestätigt und praktisch umgesetzt werden. Eine Schwierigkeit dürfte nun noch darin liegen, dass sich Indigene und Regierung mit Aracruz darüber einigen müssen, ob und wie der Zellstoff-Multi für das zurückgegebene Land und die darauf stehenden Eukalyptusbäume entschädigt werden soll. Die brasilianische Regierung hat bereits erklärt, dass sie die Entschädigung nicht aufbringen will.
 
ROBIN WOOD wird auch weiterhin die Landrückgabe an die Indianer genau beobachten. Die Umweltorganisation hatte seit 2005 mit zahlreichen Protestaktionen gegen einen der wichtigsten Zellstoff-Kunden von Aracruz, den Konzern Procter&Gamble, von Deutschland aus den Kampf der Indianer unterstützt. Gemeinsam mit Indianern aus Brasilien hatten ROBIN WOOD-AktivistInnen u.a. das Procter&Gamble-Werk in Neuss blockiert, wo der Zellstoff aus Brasilien zu Tempo-Taschentüchern verarbeitet wird.
 
Aracruz ist noch in zahlreiche weitere Landrechtskonflikte verwickelt. So beschuldigen auch die Quilombolas, die Nachfahren afrikanischer Sklaven in Brasilien, den Konzern, er habe sich in den siebziger Jahren mehrere 10.000 Hektar von ihrem Land widerrechtlich angeeignet.
 
"Jetzt ist es offiziell und amtlich bestätigt, dass der Skandalkonzern Aracruz Indianern das Land genommen hat", sagt Tropenwaldreferent Peter Gerhardt. "Angesichts der vielen weiteren, noch ungelösten Landkonflikte sollten alle Kunden die Handelsbeziehungen mit Aracruz sofort beenden." Zu den weiteren Großkunden des Konzerns zählt u.a. Kimberly-Clark, der aus dem Zellstoff Haakle-Klopapier herstellt.
 
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Robin Wood
Robin Wood: Presserklärungen
Robin Wood: Tempo
Robin Wood: Brasilien
 
Dank an Robin Wood.
 
 
 
 


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