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Jean Marie Stine:

GRENZENLOS

Es kam wieder der Tag, an dem Glen keine Lust mehr hatte, ein Junge zu sein. Manchmal, wenn er ein Mädchen war, dann schien ihm das Junge-Sein richtig zu fehlen. Aber jedesmal, wenn er wieder eine Weile ein Junge gewesen war, stellte er fest, daß seine wahre Bestimmung doch auf der weiblichen Seite lag.

An diesem Morgen ging Glen in die Klinik. Mit Hilfe der modernen Nanotechnologie dauerte der ganze Vorgang von Anfang bis Ende gerade mal drei Stunden. Er lag im tiefsten Schlaf, in dem ihn nicht einmal Träume erreichen konnten. Und doch träumte er vom Leben als Mädchen, vom wirbelnden Tanz im roten Partykleid und roten Pumps.

Als Glenda nach Hause kam, hatte sie den üblichen Streit mit Josephine, ihrer Lebensgefährtin. Josephine war heute Joseph, das verkomplizierte die Dinge. "Ich verstehe wirklich nicht, warum Du immer wieder Dein Geschlecht wechseln musst", sagte Joseph. Er schaltete den Wandbildschirm ab, auf dem er die Netznachrichten überflogen hatte. "Ich bin vollkommen zufrieden damit, an einem Tag als Joseph zur Arbeit zu gehen und am nächsten als Josephine. Ich kann als Mann oder als Frau leben, ohne an meinem Körper etwas zu verändern."

"Das ist aber nicht dasselbe!" sagte Glenda, bewegte ihre Hüften und blickte an ihren wogenden weiblichen Kurven herunter. Sie wusste, dass Joseph sie nicht verstehen würde. Joseph rollte mit den Augen. "Und musst Du unbedingt dieses Weibchentheater aufführen. Du bist vierunddreissig Jahre alt, Ingenieur für Glasfasertechnik!" "Könnten wir uns nicht einfach darauf einigen dass jeder auf seine Weise anders als der andere ist?" bat Glenda.

Joseph lachte "Tatsächlich, dafür haben wir ja all die Jahre gekämpft: Das Anti-Diskriminierungsgesetz für menschliche Entwicklungsmöglichkeiten!"

Er stand auf. "Lass uns ausgehen als Mann und Frau, wie in alten Zeiten. Und ich bin der Mann und zahle." Glenda wusste schon, welches Kleid sie anziehen würde. Diese Rubikov-Robe, die jede Minute ihre Farbe änderte, wäre genau das Richtige für einen festlichen Abend.

Leise ertönte das Läuten ihrer Türglocke. Der Wandbildschirm leuchtete kurz auf und zeigte ihnen, wer an der Tür war: Mia Fymiko, ihre Nachbarin aus der Wohnung gegenüber. Glenda liess sie herein. Mia war genetisch weiblich, damit voll zufrieden und hatte nie ihr Geschlecht gewechselt.

"Hallo ihr beiden. Schön, mal wieder unter normale Leute zu kommen!" Mia machte es sich auf dem Futon bequem. "Gerade habe ich mich mit den Knowskis unterhalten, die unten eingezogen sind. Er ist ein Riesenwolf und sie ist eine Bärin!"

Glenda schnappte nach Luft. "Du meinst, sie sind Artenwechsler?"

Mia durchsuchte die Taschen Ihres zerknitterten Overalls nach Lutschpastillen. "Ich konnte nie verstehen, wie jemand den Wunsch verspüren kann, ein Tier zu werden" sagte sie.

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Jean Marie Stine:

DRAWING THE LINE

The day came when Glen became tired of being a boy again. Sometimes when he was a girl, it seemed he missed being a boy. But after being a boy again, he always realized he was destined to be a woman. Glen dropped in at the clinic that morning. With the aid of nanotechnology, it took only three hours from start to finish. He lay in deepest sleep during all that time, where even dreams could not touch him. But, he dreamed anyway of being a girl and swirling in red pumps in a red party dress. When Glenda came home that afternoon, she had the usual argument with her condomate, Josephine.

Josephine was being Joseph again, which complicated matters. "I don't see why you have to change sexes," Joseph said, switching off the wallscreen where he'd been scanning the newsweb pages. "I'm perfectly happy going to work dressed as Joseph one day and Josephine the next. I can live as which ever gender I want, however long I want." "It's just not the same," Glenda said, looking down as she wiggled so she could see her new curves in motion.

She knew Joseph would never understand. Joseph rolled his eyes. "And do you have to be so retro fem? You are a thirty-eight year old optical fiber engineer." "Oh, can't we just agree to be different in our own ways?" Glenda pleaded. Joseph laughed. "That's why we fought for the Full-Spectrum Non-Discrimination Act all those years ago." He stood up. "Let's go out for old times sake. I'll be the man and charge it to my card." Glenda knew this black and red gown at the back of her closet. It would be perfect for dinner. The muted chime of their doorbell sounded. The wall screen flickered briefly, showing them, Mia Fymiko, their neighbor from the condo across the hall. Glenda let her in. Mia was a genetic female, comfortable in her gender, who had never switched sexes. "Hi, you two. It's nice to be among normal people." Mia settled on their futon. "I was just talking to the Knowskis who moved in down the hall. He's the giant wolf; she's the ursine."

Glenda looked at her dumbfounded. "You mean they are transspecies?" Mia nodded. Glenda shuddered. "I could never understand people who change species." she said.

Jean Marie Stine


Thanks to Jean Marie Stine.


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