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MA DEVA PYARI:

DIE LIEBE HAT GESIEGT

- Sex, Beziehung und Kommune -

”Sie sind schon fast fertig zum Aufbruch.”, erklärte er mir. Dann sagte er abrupt: ”Warte.” Er ging zu seinen Freunden und sprach kurz mit ihnen. Dann kam er zu mir und sagte: ”Okay. Geh'n wir!” Ich erklärte den Anderen, wo sie uns finden könnten, falls er doch länger bei mir blieb. ”Ich bin gleich wieder da.”, sagte er trotzdem zu ihnen.

Bei uns saßen viele Leute herum, tranken Kaffee oder Tee und rauchten. Er saß auf einem Stuhl. Langsam kam ich näher und näher, bis schließlich der Kopf auf seinem Schoß ruhte. Ich streichelte ihm den Rücken und spürte die Energie, die aus der Hand strömte, mit der er mich berührte. So viel Hitze! Der ganze Körper wurde heiß: die Muschi, die Brüste, die Beine... Sehr unsicher, mit schwacher Stimme fragte ich ihn, ob er sich mit mir ins Auto legen wolle, da mir die Beine schmerzten... ”Hey, klar, warum hast du das nicht gleich gesagt?” antwortete er.

Wir legten uns im Bus hin, ich auf ihm. Wir waren beide glücklich, ungestört einander so nahe zu sein. ”Ich nenne dich den ’Meditations-Mann’”, sagte ich. ”Warum? Wir haben doch erst einmal zusammen meditiert!” ”Zweimal”, sagte ich. ”Und wenn du mich liebst, gehst du doch auch jedesmal über das Denken, den Verstand hinaus, nicht wahr?” ”Ja!” ”Genau das ist Meditation! Dann kann die Liebe wirklich zu uns kommen. Und darum ist das mit uns beiden so schon!”

Erneut völlig unsicher, fragte ich ihn, ob er gerne mit mir ins Zelt gehen würde. Er sagte ja und suchte nach Wasser, um sich die Füße zu waschen. ”Sie stinken furchtbar”, sagte er. Dann wusch ich seine Hände, und wir gingen hinein. Mit völlig verlorenem Blick umarmte er mich und er erschien mir wie eine Vision, schön und liebenswert. Ich fragte: ”Was denkst du?” ”Ob ich loslassen sollte...” ”Natürlich!!!” sagte ich. ”Warum denn nicht?” ”Meine Freunde kommen bald.” ”Wenn sie kommen, hören wir auf. Sie wissen doch, wo du bist...”

Er schaute mich an, und wir küßten uns, genossen die Münder, die Zungen, den Geruch, die Berührung, das Gefühl der Hände auf der Haut des anderen. Die Luft war erfüllt von Liebe und Freude, die Hitze nahm zu, seine Hände bewegten sich überallhin, wir gaben uns völlig hin... Ich zog mich aus... Und wieder tauchten wir in diesen Ozean der Freude, Liebe und Intimität... Er bewegte sich mit einer solchen Bewußtheit, genau wie man es machen muß, um mit der kosmischen Energie in Kontakt zu kommen, von der ich ihm erzählt hatte...

Er erlebte mehr Freude mit mir als je zuvor. Es machte mich froh, daß die rosa Flammen, die ich ein paar Monate hindurch für ihn visualisiert hatte, offenbar die Blockaden in ihm aufgelöst hatten! Er hatte mir erlaubt, an ihm zu arbeiten, und das hatte ich getan. Ich wollte mich nicht, wie zuvor, jedesmal schlecht fühlen, wenn ich an ihn dachte... Ja, wegen all der Probleme, die er mit sich herumschleppt - Vorurteile und Konditionierungen -, machte es mich traurig, all diese Negativität anhören zu müssen, die sich aus ihm ergoß, wenn ich ihn wieder einmal zu mir einlud! Ich wollte der Liebe eine Chance geben und einen Freiraum schaffen, in dem sie sich ereignen konnte. Wenn ich also an ihn dachte, imaginierte ich ihn umgeben von den rosa Flammen der Liebe. Auch stellte ich mir vor, daß die Liebe alles verbrennen würde, was aus dem Ego kam, und all das verstärken würde, das wert war, von zwei Mutanten wie uns gelebt zu werden. Er steht immer noch mit einem Bein in der Gesellschaft, aber die Seele ist bereits draußen, und durch diese schöne Liebe, die zwischen uns blüht, kann ich ihn vorwärtsschieben.

Einmal masturbierte ich und stellte mir dabei vor, wie ich gerne beim nächsten Mal von ihm geliebt werden wollte, und das genügte, um mich für Wochen zu befriedigen! Es war so intensiv, als ob es tatsächlich geschehen wäre. Gleichzeitig zeigte es mir, wie ich mich noch mehr für diese Liebe öffnen konnte!

Ich möchte das Leben in seiner Totalität annehmen! Ich weiß, daß diese Liebe ein großer Sieg der Erde über die Gesellschaft sein wird, wenn ich geduldig sein kann und mich nicht an egoistische Wünsche klammere!
Dieses Gefühl erfüllte mich in dem Zelt: Die Liebe hat gesiegt!

Er war ruhig und langsam wie ein echter Tantriker, bewegte sich mit meinem Körper, fand alle Stellen der Freude darauf, genoß die Laute, die aus mir herauskamen, genoß die Augen, die ihn ekstatisch anschauten, und drückte mit seinem Körper den Zustand des Nicht-Denkens aus, in den Liebende geraten, wenn sie bei der Vereinigung wirklich leer sind!

”Gefällt es dir?” fragte ich und störte dadurch den Energiefluß - aus Verunsicherung, weil er so ruhig und gelassen war, wie ich ihn noch nie erlebt hatte... ”Wie kann er das wissen?” dachte ich und vergaß, daß ich selbst ihm beigebracht hatte, wie er für die tantrische Art des Sex entspannt bleiben konnte, an einem Winternachmittag, als wir gemeinsam durch den Park spazierten... ”Wenn es dir gefällt, gefällt es mir auch”, antwortete er.

Und dann mußte ich selbst mich abkühlen und entspannen, als die Agonie eines Orgasmus in mir aufstieg. ”Nichts übereilen, Pyari”, sagte ich zu mir selbst, ”wenn der Orgasmus jetzt schon kommt, wird es vorbei sein. Genieße es! So wie es geschieht, ohne Hast!” Ich weiß, daß er immer aufhört, nachdem ich den ersten Orgasmus erreicht habe. Ich weiß nicht, warum. Ich muß ihn fragen!

Und ich entspannte mich, öffnete die Beine noch mehr, erlaubte es seinem Fingern noch tiefer in mich hineinzukommen und spürte, wie die ganze weibliche Energie in mir sich weiter öffnete und sich ausdehnte!!! Weitere Blockaden lösten sich, und ich fragte mich, ob ich überhaupt noch irgend etwas zurückhielt! Vielleicht ist der Prozeß der Liebe so stark, daß man jedesmal, wenn man sich ihr ganz hingibt, einen Schritt nach vorn macht!

Und ich begann, an seinem Brustwarzen zu saugen, was er, wie ich weiß, wirklich mag. Wir vergaßen Welt und Zeit, tauchten tiefer in die Freude ein. Auch er berührte mir die Brustwarzen und die Klitoris und die Vagina, und war wie ich überwältigt von dieser Freude. Als der Orgasmus für mich kam, war es jene Explosion, die den Körper verschwinden läßt und uns in reine Energie verwandelt. Ich schwitzte, nackt in seinen Armen, wir waren beinahe eins, umarmt und verloren.

”Jetzt bist du glücklich, strahlst über das ganze Gesicht”, sagte er liebevoll und schaute mich zufrieden an. Ich schämte mich ein wenig, das ich so viel Wonne empfand, und erkannte, wie wenig es wir uns immer noch gestatten, uns gut zu fühlen...

Als wir aus dem Zelt gingen, leuchtete die Welt im Sonnenlicht, und die Freunde waren da, um ihn abzuholen... Bald war er verschwunden, und die Ekstase hielt bei mir den ganzen Tag an. Ich tanzte und verbreitete überall die Energie der Liebe...

Ich habe ihn gerade angerufen, ganz berauscht von dieser Geschichte, die ich da gerade aufgeschrieben habe. Wir lachten, und er erklärte mir, warum er nicht angerufen hat. Es war das erste Mal, daß wir nach der Begegnung auf dem Voov-Festival miteinander sprachen. Ich lud ihn nach Österreich ein, wohin ich als nächstes fahren werde, und sagte ihm, ich hätte Angst, daß wir uns nicht mehr treffen würden... ”Du weißt doch, wie das mit uns ist, Pyari. Wir treffen uns immer!” ”Ich bin froh, das zu hören”, antwortete ich, ”aber ich weiß, daß das Leben nicht so ist. Manchmal sagen wir wirklich Lebewohl und sehen einander niemals wieder. Dann müssen wir loslassen, so wie wir eines Tages auch den Körper loslassen müssen...!” Vielleicht kommt er mich heute noch besuchen! Und ich bin glücklich, daß die Liebe Blockaden, Konditionierungen, Ängste und Beziehungen überwunden hat...

Ich frage mich, wie ich eine Kommune organisieren kann, wo die Leute eine solche Alternative wirklich leben können, ohne die Angst vor dem Alleinsein, und frei von den Neurosen, die die familiäre Lebensstruktur in uns züchtet. Ja, in einer Kommune genießen alle das Alleinsein und teilen nur dann das Bett mit jemandem, wenn die Liebe sie erwischt. Keine Notwendigkeit, Geschichten zu erfinden, wenn jemand verliebt ist, kein Bedarf an falscher Romantik und an Märchen darüber, daß man sich angeblich schon in früheren Leben begegnet ist. Und immer gibt es genug Raum, sich zurückzuziehen, um allein zu sein und das Nichts zu erkunden. Manchmal kann es Platzprobleme geben, so daß nicht jedes Kommunemitglied ein Zimmer für sich allein hat. Aber mit Hilfe von Vorhängen, Trennwänden und kreativen Einfällen kann man immer erreichen, daß allen der Respekt und die Würde des Individuums zuteil wird. Und alle sind frei zu schlafen, wie und mit wem sie wollen.

Um die Kinder kümmert sich die ganze Kommune gemeinsam. Sie gehören nicht dem Vater oder der Mutter, sondern haben die Möglichkeit, Einflüsse von allen Angehörigen der Gemeinschaft aufzunehmen. Sie können schlafen, wo sie wollen, und es steht ihnen ein gemeinsamer Schlafraum zur Verfügung, bis sie ihren eigenen Schlafplatz wünschen. Dadurch werden alle elterlichen Projektionen vermieden, so daß viel gesündere Menschen heranwachsen werden. Kinder werden ebenso respektiert wie die Erwachsenen, und man wird es nicht dulden, daß ihnen irgendwelche Ideen von außen aufgezwungen werden. Sie sollten dazu ermutigt werden, ihr persönliches Potential zu entfalten, statt ihnen Vorschriften zu machen, was sie tun und wie sie es tun sollen. Sie werden als Neuankömmlinge auf der Erde betrachtet werden, die daher noch in besonders engem Kontakt zur Wahrheit stehen. Erwachsene sollten von den Kindern lernen, statt sie zu belehren. Wenn es an der Zeit ist, die intellektuellen Fähigkeiten zu entwickeln, werden Lehrer ihnen dabei helfen, sich Wissen aus Bibliotheken zu beschaffen. Doch diese Lehrer werden auf keinen Fall ermächtigt sein, die Kinder in irgendeiner Weise zu unterdrücken. Die Kinder werden selbst Versammlungen organisieren, auf denen sie allein entscheiden, wie sie ihre Probleme lösen.

Das Geld wird von der Kommune gemeinsam erwirtschaftet und verteilt, und es wird auf diese Weise für die Bedürfnisse aller gesorgt. Privater Besitz sollte nicht gefördert, aber auch nicht verboten werden. Die Menschen werden die Freiheit haben, selbst zu dem Schluß zu gelangen, daß sie nur wenig persönlichen Besitz wirklich benötigem. Natürlich kann das nur funktionieren, wenn alle in die Geheimnisse der Meditation eingeweiht sind und begreifen, daß das Leben ein Geheimnis ist, das gelebt werden will, und kein Problem, das gelöst werden muß.

Durch den Kommunismus habe ich die Idee der Kommune kennengelernt und erkannt, welchem Motiv die Institution der Familie ihre Existenz verdankt: der Gier! Und wenn man die Menschen in den Fesseln des Familienlebens festhält, stellt man sicher, daß sie kalt und tot bleiben. Dann gibt es keine Revolution, dann fehlt die Kraft zum Widerstand! Wenn ein Mensch befriedigt ist, sexuell befriedigt, und frei, zu lieben und in anderen Strukturen als den familiären zusammenzuleben, sagt er spontan nein, wenn er etwas innerlich ablehnt. Niemand kann ein solches Individuum in Ketten halten.

Eine Welt von unabhängig voneinander funktionierenden Kommunen aus freien, ein meditatives Leben führenden Individuen kann sich zur totalen Freiheit fortentwickeln. Die Revolution wird nicht mehr mit Gewehren erkämpft oder von starken Staaten, die sich gegeneinander schützen. Die Revolution ist heute etwas Individuelles. Der einzelne Mensch ist frei und entscheidet von Moment zu Moment neu, ob er mit anderen Menschen zusammensein oder alleinsein möchte, ob er lieben oder andere wichtige Dinge tun möchte. Diese Freiheit wird die Veränderung herbeiführen, die der Planet so dringend braucht.


Aus: Ma Deva Pyari / Tantrisches Leben
Erhältlich bei Pyari

Dank an Ma Deva Pyari.



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