Sterneck.Net



STERNECK.NET

Cybertribe-Archiv

Utopia  |  Politik  |  Íkologie  |  Gender  |  Sex  |  Cyber
Ritual  |  Drogen  |  Musik  |  Literatur  |  Vision  ||  Projekte  ||  English

Claus Sterneck
Claus-In-Island  |  Pictures+Sounds  |  Ausstellungen  |  Musik  |  Facebook  |  News  |  English

Wolfgang Sterneck
Artikel+Texte  |  Foto-Reportagen  |  Bücher  |  Workshops  |  Musik  |  Facebook  |  News  |  English

Free Mumia
www.sterneck.net contact@sterneck.net

ANGELA DAVIS, JUNE JORDAN, ALICE WALKER:

MUMIA DARF NICHT STERBEN

Tausende von Menschen in unserem Land und weit über unsere Grenzen hinaus füllen die Straßen und fordern:
Er darf nicht sterben.

Es ist sein einzigartiges Leben, das unseren anhaltenden Widerstand schürt. Es ist sein einzigartiges ausharrendes Leben, das uns erlaubt, über unsere tagtägliche Bedeutungslosigkeit hinaus zu hoffen. Es ist sein Leben, immer noch, als ein Schwarzer, der zum Tode verurteilt ist, das unsere Gleichgültigkeit verdammt und uns in unserer Neigung zum Zaudern beschämt.


Wir können unseren Aufschrei, unsere rechtliche Agitation, unseren öffentlichen Aufruf, unsers standhaftes Suchen nach Rettung und Zeitgewinn entfachen und aufrechterhalten.

Wir können es.

Wir können ihn am Leben halten.

Er darf nicht sterben.

Auch wenn diese Vereinigten Staaten die meisten Todestraktinsassen der Welt haben.

Auch wenn diese Vereinigten Staaten die meisten Gefangenen der industrialisierten Welt haben, und - verhältnismäßig - in Bezug auf Gesamtausgaben für Gefängnisbau, Gefängnisinstandhaltung und Gefängnispersonal führend sind.

Auch wenn sich die Vereinigten Staaten eine noch aggressiver werdende und zunehmende Verpflichtung auferlegt haben, ihre Bürger zu inhaftieren - eine stärkere Verpflichtung als die zur Ausbildung.

Auch wenn in den letzten zwanzig Jahren in diesen Vereinigten Staaten eine Zuwachsrate der Ausgaben pro Gefängnisse von 823% gegenüber 374% für höhere Bildung, landesweit, toleriert wird.

Er darf nicht sterben.

Auch wenn fast 70 Prozent der Insassen der Gefängnisse Amerikas Nichtweiße sind.

Er darf nicht sterben.

Auch wenn der am 13. Oktober 99 unterzeichnete Hinrichtungsbefehl für Mumia Abu-Jamal bedeutet, daß Gouverneur Ridge 176 Hinrichtungsbefehle in vier Jahren unterzeichnet hat, also fünfmal mehr als seine beiden Vorgänger während einer fünfundzwanzigjährigen Periode.

Auch wenn der Richter aus Philadelphia, der den Vorsitz im Verfahren von Mumia Abu-Jamal hatte, derjenige Richter ist, der am häufigsten von allen Richtern in den USA die Todesstrafe in seinen Verfahren verhängte.

Mumia Abu-Jamal darf nicht sterben.

Auch wenn die rücksichtslosen, todbringenden, gnadenlosen Werte dieser Vereinigten Staaten jeden Menschen, der gegen ihre profitorientierte Politik hier oder im Ausland opponiert oder sie nicht trägt, absichtlich mißachten oder vernichten.

Auch wenn von dieser Politik lokale und internationale Bemühungen humanitärer Hilfe und gewaltloser Interventionen oftmals unterdrückt werden.

Auch wenn diese Vereinigten Staaten ihre Vorherrschaft durch (tatsächliche und indirekte) Gewalt geltend machen und ausbauen, errichten und aufrechterhalten.

Mumia Abu-Jamal darf nicht sterben.

Auch wenn diese Vereinigten Staaten den Aufruf der amerikanischen Anwaltsvereinigung (American Bar Association) aus dem Jahre 1997 ignorieren, ein sofortiges Moratorium für die Todesstrafe zu verhängen, bis die Verfahren bei Kapitalverbrechen dem Mindestkriterium der Fairness entsprechen.

Auch wenn 1997 der UN-Sonderberichterstatter zum Problem außergerichtlicher, schneller oder willkürlicher Hinrichtungen feststellte, daß in diesen Vereinigten Staaten "Rasse, ethnische Herkunft und ökonomischer Status Schlüsselkriterien dafür zu sein scheinen, wer zum Tode verurteilt wird und wer nicht", und folglich zu einem sofortigen Todesstrafenmoratorium aufrief.

Auch wenn diese Vereinigten Staaten diesen transnationalen Aufruf nicht anerkennen oder ihm folgen.

Mumia Abu-Jamal darf nicht sterben.

Da der Staat nicht wegnehmen kann, was er nicht gegeben hat.

Er darf nicht sterben.

Da der Staat nicht zurücknehmen kann, was er nie zuteil werden ließ.

Der Staat darf diesen Mann nicht töten.

Er darf nicht sterben.

Da er noch lebt, ein zum Tode verurteilter Schwarzer, einer von Millionen Brüdern und Schwestern, die verurteilt sind zu Armut, Verachtung und einem tragischen Kreislauf von Möglichkeit und Sehnsucht.

Da er noch lebt, inspiriert er uns und treibt uns an, unsere politische Opposition gegen einen Staat, der an seiner Gier und den Pathologien unangefochtener, überheblicher Macht wahnsinnig geworden ist, zu vertiefen, erweitern und verbessern.

Wir fangen an, wo wir stehen.

Wir können es tun.

Wir können ihn am Leben erhalten.

Er darf nicht sterben.


Angela Davis, June Jordan und Alice Walker (1999)

Die unter anderen von den drei Autorinnen an der Westküste der USA gestartete Kampagne ist zu erreichen unter:

WE WRITERS... Demand a New Trial
Media Alliance-Mumia Ad Campaign
814 Mission Street, Suite 205
San Francisco, CA 94103, USA
Fon 001 (510) 839-1248 (David Carson)
Fax 001 (510) 839-6097
www.iacenter.org

Auf der Frankfurter Buchmesse 1999, an deren zweiten Tag der neue Hinrichtungsbefehl gegen Mumia bekannt wurde, griffen Verlage, AutorInnen, BuchhändlerInnen und viele andere diese WE WRITERS-Initiative auf. Unter anderem forderten der Nobelpreisträger Günther Grass und die Vizepräsidentin des PEN, Dr. Elsbeth Wolffheim, neben zahlreichen anderen "die sofortige Aufhebung des Todesurteils und die Durchführung eines Wiederaufnahmeverfahrens". Der Bonner Pahl-Rugenstein Verlag und der Bremer Atlantik Verlag führen diese Aktion unter Literaturschaffenden weiter.



Zurück zur Übersicht